Erlenweg 2
Erlenweg 2
Ausstellung am Erlenweg 2
Die aktuelle Ausstellung vereint ausgewählte Positionen der Nicola Erni Collection ganz in deren Sammlungsphilosophie in einer bewusst offenen Hängung. Fotografische Arbeiten und Werke zeitgenössischer Künstler treten in einen vielschichtigen Dialog und eröffnen differenzierte Perspektiven auf zentrale Themen der Sammlung.
Fotografische Arbeiten und Werke zeitgenössischer Künstler treten in einen vielschichtigen Dialog und eröffnen differenzierte Perspektiven auf zentrale Themen der Sammlung.
Unter dem Thema New York’s Roaring 80s werden monumentale Arbeiten von drei Künstlern vereint, die in den 1980er-Jahren in New York wirkten und in engem Austausch standen: Jean-Michel Basquiat, Andy Warhol und Julian Schnabel. Während Warhol und Basquiat in ihren Collaborations die Grenzen zwischen Pop Art und Neo-Expressionismus auflösten, propagierte Schnabel eine Rückkehr zur monumentalen, materialbetonten Malerei. Trotz unterschiedlicher künstlerischer Handschriften verbindet die Werke ein radikaler Umgang mit der Vermischung von Techniken und Bildsprachen. Ob Basquiats und Schnabels collageartige Verflechtung von Text und Bild oder Warhols ikonische Siebdrucke auf großformatigen Bildträgern – sie zeugen vom neuen Selbstbewusstsein einer Künstlergeneration, die sich weder formal noch räumlich begrenzen lassen wollte.
Ein weiterer Schwerpunkt gilt dem Porträt. Porträts zielen darauf ab, Identität, Innenleben oder die unverwechselbare Präsenz einer Person sichtbar zu machen. Zugleich sind sie stets Ausdruck künstlerischer Entscheidungen – in Bezug auf Perspektive, Inszenierung und Gewichtung –, die jedem Werk seinen spezifischen Charakter verleihen. Zeitgenössische Positionen von Mickalene Thomas und Rashid Johnson werden dabei fotografischen Porträts von Cindy Sherman und Richard Avedon gegenübergestellt. So entfaltet sich ein Spannungsfeld zwischen Konstruktion und Dokumentation, zwischen performativer Inszenierung und psychologischer Verdichtung.
Mit Dirty Martini: Photographs of the 1960s and 1970s widmet sich die Ausstellung zudem einem fotografischen Kosmos zwischen Glamour und Exzess. Rund 200 Porträt- und Paparazzifotografien entführen die Besucherinnen und Besucher in das schillernde Universum jener Persönlichkeiten, die Musik, Film, Mode und Kunst dieser beiden Dekaden prägten. Legendäre Momente verdichten sich zu einem kollektiven Bildgedächtnis – ein Echo auf eine Zeit, die bis heute nachwirkt.
Ein weiterer Dialog entsteht in der Gegenüberstellung zweier amerikanischer Klassiker: William Eggleston und Paul McCarthy. Das Portfolio The Last Dyes von William Eggleston umfasst 49 Fotografien, die in den 1970er-Jahren in Memphis entstanden. Gedruckt im technisch anspruchsvollen Dye-Transfer-Verfahren – ursprünglich vor allem für Werbeplakate genutzt – zeichnen sich die Arbeiten durch außergewöhnliche Farbsättigung und beinahe malerische Materialität aus. Alltägliche Motive wie Tankstellen, Motelzimmer oder Kühlschränke gewinnen durch diese spezifische Drucktechnik eine unerwartete ästhetische Präsenz und Würde.
Dem gegenüber steht Tomato Head (1994) von Paul McCarthy, eine lebensgroße Comicfigur, die formal auf das erste im amerikanischen Fernsehen beworbene Spielzeug „Mr. Potato Head“ verweist. Zwischen beiden Positionen entfaltet sich ein überraschender Dialog über amerikanische Alltags- und Populärkultur. Während Eggleston der Realität durch formale Präzision und technische Meisterschaft stille Intensität verleiht, operiert McCarthy mit Überzeichnung, Ironie und bewusster Grenzüberschreitung. In der Gegenüberstellung werden Parallelen ebenso sichtbar wie Kontraste: Leichtigkeit und Härte, Banalität und Provokation, Dokumentation und Dekonstruktion. Die Präsentation macht deutlich, wie Fotografie und zeitgenössische Kunst hier auf Augenhöhe in einen produktiven Austausch treten.


